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Rückenschmerzen Verstehen - Bewegung als Therapie

Die Volksplage Nummer eins: Rückenschmerzen. Praktisch jeder klagt einmal im Leben über Schmerzen im Rücken. Danke der faszinierenden Architektur unserer Wirbelsäule ist unser Rücken sehr beweglich aber eben auch anfällig für Probleme. Das zentrale Element in unserem Körper muss viele Schläge auffangen und wird stark belastet. Oftmals auch fehl belastet! Außerdem verbindet unser Rückgrat Oberkörper mit Unterkörper und führt das Rückenmark als Teil unseres zentralen Nervensystems durch den Spinalkanal. Dies erklärt dann auch, warum Rückenschmerzen so häufig vorkommen. Für mich um so mehr ein Grund, dieses Thema aufzugreifen und euch meine Sichtweise der Dinge darzulegen. Ich bin nicht Ärztin - aber ich habe durch meine Ausbildungen über den Körper in der Bewegung, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule, gelernt, Schmerzen in den Griff zu bekommen oder sogar zu lösen. Und ich spreche aus Eigenerfahrung. Diese Erkenntnisse möchte ich mit euch teilen, denn sie können dein Leben verändern.

 


Teufelskreis "Schmerz"

Nun, Tatsache ist, Schmerzen können plötzlich eintreten und tun höllisch weh! Da muss schnell eine Lösung her, denn wenn der Schmerz einmal da ist, verfallen wir ziemlich rasch in einen sogenannten Teufelskreis. Durch den Schmerz im Rücken beginnen wir uns zu schonen. Wir vermeiden jegliche Bewegung, weil wir Angst davor haben, dass der Schmerz stärker wird. Diese Schonhaltung führt jedoch eigentlich zur Verschlimmerung des Problems. Wir bauen mangels Bewegung unsere Muskelmasse ab und unsere Gelenke werden steif. Schlussendlich sind wir so auf diesen Schmerz fokussiert, dass die psychische Belastung zunimmt und wir uns zurückziehen. Diese Abfolge wird in unserem Gehirn gespeichert. Es registriert: "Ich habe Schmerzen". Und es erinnert uns immer wieder daran. Das Problem wird chronisch und ist nicht mehr einfach zu lösen.

 

 

Es muss aber nicht sein, dass wir dieser Schmerzspirale verfallen. Wir können uns selber helfen. Der Fehler in unserem Schmerzverhalten beginnt nämlich da, wo wir aufhören uns zu bewegen! Dazu sollten wir den Schmerz erstmal verstehen, denn er ist das Warnsystem unseres Körpers. Biologisch betrachtet ist er also ein Segen: Schmerz signalisiert, dass etwas mit dem Körper nicht stimmt. Die Pein zwingt uns zu reagieren, also schonen wir uns - leider. 

 


Wie funktioniert der Schmerz?

Schmerzfühler stecken fast überall im Körper. Die Rezeptoren sitzen in der Haut, im Bindegewebe, den Eingeweiden oder den Blutgefäßen. Diese so genannten Nozizeptoren sind nichts anderes als stumpfe Enden bestimmter Nerven, zum Beispiel von Wärme-Detektoren oder Druck empfindlichen Fasern. Diese Enden arbeiten als Empfangsstationen: Wird es zu kalt oder zu heiß, ist der Druck zu groß oder schüttet der Körper bei einer Entzündung chemische Stoffe aus, reagieren die Schmerzfühler darauf mit elektrischen Impulsen. Die elektrische Schmerz-Botschaft läuft über Nervenfasern zum Rückenmark und von dort aus zum Gehirn. Erst wenn das Signal in den Schmerzzentren unseres Denkorgans angekommen ist, wird uns der Schmerz bewusst. Gleichzeitig erkennt das Gehirn auch, woher der Schmerz kommt und wie stark er ist. So wissen wir, welchen Teil des Körpers wir schonen müssen.

 

80 Prozent aller Rückenschmerzen bei uns Menschen, werden von den Rezeptoren im Bindegewebe oder der Muskeln gesendet. Unser Bindegewebe (Faszien) ist ein häufiger Schmerzverursacher,  weil seine Strukturen oftmals durch verspannte Muskulatur aber auch durch einseitige oder mangelnde Bewegung verfilzen. Dies führt zu kleinen Entzündungen, welche schlussendlich als Schmerz empfunden werden. Die Faszien besitzen besonders viele Schmerzrezeptoren, wir nehmen sie somit häufiger wahr als wir denken. Sie sind sozusagen ein eigenes Sinnesorgan unseres Körpers (Lese hierzu meinen Blog über die Faszination Faszien).

 

Bei Schmerzen dieser Art kannst du selber viel unternehmen, bevor eine weitere Therapie überhaupt nötig wird! Aus Sicht der Bewegungstherapie weiß man, dass Bewegung die Durchblutung fördert und somit den Heilungsprozess von Verletzungen und Entzündungen begünstigt.


Schmerztherapie

Nun hast du also Rückenschmerzen und weißt, dass dein Körper dich warnt. Irgendwo scheint etwas schief zu laufen, doch was? Vielleicht gehst du zum Arzt. Denn dieser wird deinen Rücken untersuchen und schnell feststellen wo die Ursache liegt. Gibt es ein gravierendes Problem bei den Bandscheiben oder an der Struktur der Wirbelsäule, solltest du eine entsprechende Therapie beginnen und in erster Linie zwingend an deiner Körperhaltung arbeiten. Ich möchte dir auch raten, nicht gleich drauflos zu operieren, wenn dies empfohlen wird. Viele Menschen leben mit einer beschädigten Wirbelsäule ohne Schmerzen, weil sie diese durch Bewegung, Faszientraining und Muskelaufbau im Griff haben. Eine Operation, z.B. eine Versteifung von Wirbeln, kann kontraproduktiv wirken, weil dein Körper in der Bewegung eingeschränkt ist und darum ausweichen muss. 

 

Grundsätzlich gibt es verschiedene Schmerztherapien, welche alle helfen können. In erster Linie gilt es für dich herauszufinden, was dir persönlich gut tut. Es liegt natürlich auf der Hand, dass du dich im ersten Moment schonst. Auch der Arzt wird dir eventuell empfehlen, körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Als Sofortmaßnahme ist das auch völlig okay. Meine Erfahrungen haben aber gezeigt, dass die unten aufgeführten Schritte und vor allem die Bewegung eine mögliche Lösung sein kann. Mir hat es geholfen!

1. Schritt: Schmerz lindern

Ich empfehle grundsätzlich den Erst-Schmerz zu lindern, indem du die Stelle wärmst, kühlst oder vielleicht sogar mit einer entzündungshemmenden Salbe wie z.B. Walwurz pflegst. Wenn nötig, kann auch eine Schmerztablette Abhilfe schaffen. 

2. Schritt: Schmerz akzeptieren & loslassen

Aus eigener Erfahrung habe ich festgestellt, dass dies ein immens wichtiger Schritt ist, um Schmerzen los zu werden: akzeptiere ihn und lasse los! Das tönt jetzt ziemlich einfach und widersprüchlich, ist aber in Wahrheit recht schwer und logisch. Schmerz kann unerträglich sein, schlägt uns auf das Gemüt und lässt Tränen kullern. Darum ist es um so wichtiger, dass wir lernen den Schmerz als Warnsignal zu respektieren und aufzunehmen. Wir sollten dankbar sein, dass es dieses tolle System gibt! Mit dieser Einstellung gelingt es dir bestimmt, dein Schmerzempfinden zu kontrollieren. Hast du den Schmerz einmal akzeptiert, kannst du ihn loslassen. Mit dem Loslassen entspannt sich nicht nur automatisch deine Muskulatur sondern auch deine Anspannung im Gewebe lässt nach. Was passiert? Du meldest dem Gehirn zurück, dass du seine Warnung verstanden hast und dieses wiederum sendet weniger Schmerzsignale. Das Loslassen gelingt dir vielleicht am Besten mit Entspannungsübungen oder Meditation, weil es über die Ebene des Unterbewusstseins funktioniert. Probiere aus, was dir zuspricht, es klappt bestimmt.

3. Schritt: Bewegen

Jetzt solltest du dich bewegen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, denn die Bewegung ist abhängig von der Schmerz-Ursache. Was du in jedem Fall tun kannst, möchte ich dir hier aufzählen:

Laufen 
Das Laufen oder Gehen (aber nicht Joggen) fördert die Durchblutung und massiert die Bandscheiben. Es findet eine natürliche Bewegung in Wirbelsäule und Brustkorb statt. Achte dich auf die korrekte Haltung beim Laufen und behalte die Balance.

 

Faszien-Training
Sei es eine Druckmassage mit dem kleinen Ball oder mit der Rolle. So oder so tust du dir damit Gutes für deine Schmerzen. Durch gezielte Druck-Stimulation der kollagenen Gewebestrukturen wird die Durchblutung angeregt sowie die Nährstoffverteilung innerhalb des Gewebes verbessert. Wie bei einem Brotteig der immer weiter geknetet wird bis er geschmeidig ist, werden Störungen und Veränderungen der Fasern deiner Faszien quasi ausgerollt und zur Regeneration angeregt. Diese Form der Massage wirkt nicht nur bei akuten Schmerzen sondern auch, um Probleme und 

Verletzungen vorzubeugen. Denk daran, dass langsames Rollen (im Zeitlupentempo) regenerativ und dynamisches Rollen anregend wirkt. Lass dir die Druckmassage von einem Profi erklären und zeigen. Auch Schwingen, Hüpfen und Dehnen gehören zum Faszientraining. Du kannst somit dein Bindegewebe elastisch halten und bleibst beweglich. Wie du richtig dehnst, zeige ich dir gerne in meinen Gruppen-Lektionen.

Kräftigung der Muskulatur

Wir haben gelernt, dass einseitige Belastung und entsprechend einseitig beanspruchte Muskulatur zu Verspannungen führen und muskuläre sowie fasziale Schmerzen auslösen kann. Deshalb ist es sehr wichtig, diese Disbalance wieder auszugleichen. Sowohl die Bauchmuskulatur als auch die Rückenmuskulatur sollten gleichermaßen trainiert sein, um unser Rückgrat zu stabilisieren. Du solltest wissen, dass jeder Muskel ein Geschwister hat und diese zusammenarbeiten. Spannt sich der eine an, lässt der andere los und umgekehrt. So ist es auch entscheidend, dass  die Muskulatur sowohl konzentrisch (Widerstand überwinden) und exzentrisch (Widerstand entgegenwirken) wie auch isometrisch (Widerstand in einer Position halten) trainiert wird. Suche nach einer Fachperson (Physio- oder Bewegungstherapie), um die für dich richtigen Übungen zusammen zu stellen. Jemand, der oder die dich bei der Bewegungsausführung begleitet, damit du schnell wieder schmerzfrei wirst.

 

Körperhaltungsschulung
Um weitere Schmerzen vorzubeugen ist für mich persönlich nicht nur eine ausgeglichene Muskulatur entscheidend, sondern auch die korrekte Körperhaltung. Denn auch wenn du deine Muskeln regelmäßig trainierst, können Fehlbelastungen durch falsche Körperhaltung entstehen. Wenn du es also richtig angehen willst, darf die Körperhaltungsschulung von Fuß bis Kopf in deiner Schmerztherapie nicht fehlen!

 


und zum Schluss...

Am Besten ist es natürlich, wenn man sich bereits vorbeugend viel bewegt, seine Muskulatur kräftigt und das Bindegewebe in Schwung hält, sodass gar nicht erst Probleme entstehen können. Manchmal aber können auch Schmerzen durch zu viel Belastung auftreten, dass wäre dann ein Zeichen dafür, dass der Körper seine Ruhe braucht. Denn nur wer regeneriert, erkennt auch einen Fortschritt in der Kräftigung oder Beweglichkeit.

 

Rückenschmerzen sind ein Leid, ich musste es selber erfahren. Doch das Elend hat mir persönlich geholfen, den Rücken und seine Bewegungsmöglichkeiten besser kennen zu lernen und zu verstehen. Das Zusammenspiel zwischen Rückgrat und dem restlichen Körper ist mir nun dank diversen Ausbildungen klar und ich bin glücklich darüber meine Rückenschmerzen durch dieses Wissen im Griff zu haben. Ich wünsche mir, dass dir mein Blog ein kleines Bisschen weiterhilft und auch du deine Schmerzen verstehen und lösen kannst.

 

Bewege dich - für einen schmerzfreien Rücken!

 

Herzlich 

Priska