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Bandscheibenvorfall? Das muss nicht sein!

Man macht eine ruckartige Bewegung und schon zwickt es plötzlich kurz, aber heftig im Rücken. Danach geht fast nichts mehr. Auslöser ist die Bandscheibe. Wie ein Schwamm liegt sie zwischen den Wirbelkörpern, macht die Wirbelsäule beweglich und dämpft Stösse. Die Bandscheibe besteht aus einem Ring aus Bindegewebe und einem weichen, gallertartigen Kern. Beim Bandscheibenvorfall (in der Fachsprache Diskushernie genannt) verrutscht der Kern und durchbricht den schützenden Bindegewebsring. Dabei tritt Gallertmasse aus und drückt gegen das Rückenmark oder die Nervenwurzeln. Das typische Merkmal einer Diskushernie ist der sogenannte radikuläre (von den Nervenwurzeln ausgehende) Schmerz. Der Armschmerz von der Halswirbelsäule und der Beinschmerz – auch bekannt als «Ischias» – von der Lendenwirbelsäule ausstrahlend. Zusätzlich können mit dem Schmerz auch neurologische Ausfälle auftreten. Zum Beispiel beeinträchtigen Gefühlsstörungen im Bein oder im Arm sowie Schwächung oder Lähmung einzelner Muskeln die Gehfähigkeit beziehungsweise die Hand- und Armfunktionen. Auch Kopf- oder Nackenschmerzen können Anzeichen von Bandscheibenproblemen sein. Wer aber die Funktionsweise der Bandscheiben kennt, kann für das körpereigene Stossdämpfersystem viel tun. 

 

Bandscheibenvorfälle oder -reizungen sind leider zunehmend in unserer Gesellschaft. Besonders auch in jüngeren Jahren. Ich frage mich warum? Die Antwort finde ich ziemlich schnell. Starke körperliche Belastung (das kann im Übrigen auch Leistungsport z.B. in der Jugend sein), muskuläre Schwächen, einseitige Bewegungen oder Bewegungsmangel sowie eine monotone und starre Körperhaltung fördern ganz klar das Entstehen einer Diskushernie. Auch können erhöhtes Alter, genetische Vorbelastung oder Übergewicht Risikofaktoren sein. Für mich ist das aber nur die halbe Wahrheit. Auch ob du Sportskanone oder Bürohengst bist, spielt keine Rolle. Einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule oder Lendenwirbelsäule können alle bekommen – davon bin ich überzeugt. Und alle können ihn verhindern! 

 

In unserer schnelllebigen Zeit vergessen wir wie wichtig das zentrale Element unseres Körpers - die Wirbelsäule - ist. Erst wenn sie schmerzt, nehmen wir sie wahr. Oftmals ist es dann aber zu spät. Wir sollten also unserem Rücken unbedingt gut Sorge tragen, richtige Haltung einnehmen, uns bewegen und die Muskulatur anatomisch korrekt und ausgeglichen trainieren. Besonders die Körperhaltung möchte ich hier hervorheben, denn nicht nur im Alltag sondern auch während einer sportlichen Aktivität solltest du darauf acht geben. Nicht ohne Grund sind auch viele Sportler von Bandscheibenproblemen betroffen und sehr erstaunt darüber. Vor allem dann, wenn mit Gewicht trainiert wird, z.B. im Fitnesscenter. Deshalb ist es auch ganz wichtig, sich das richtige Bedienen der Geräte von einem Fitness-Instruktor erklären zu lassen. Außerdem ist weniger Gewicht manchmal mehr!! Nicht nur auf die Quantität sondern vor allem auf die Qualität im Training kommt es an!

 

Ich möchte dir hier aufzeigen, wie die Bandscheiben funktionieren, was gut für sie ist und wann es zu viel wird.  Ein paar einfach Übungen für die Körperaufrichtung können dir helfen, die dafür fehlende oder verkürzte Muskeln wieder aufzubauen und deine Wirbelsäule mit ihren dämpfenden Bandscheiben zu stützen. Es braucht nicht viel um Gutes für deine Bandscheiben zu tun - aber tue es! 


Bandscheiben sind belastbar!

Unsere Wirbelsäule ist von Natur aus ziemlich genial konstruiert, sodass sie enorme Belastung aushalten kann. Die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern funktionieren dabei als wichtige Stoßdämpfer, indem sie bei Belastung die Flüssigkeit abgeben, welche sie bei Entlastung aufnehmen, wie bei einem Schwamm. Dies funktioniert so lange gut, wie die Wirbelsäule korrekt aufgerichtet ist und jeder Wirbelkörper seinen anatomisch richtigen Platz ein-nimmt. Auf diese Weise werden Schläge (durch Sport oder alltägliche Bewegung) von den Bandscheiben gleichmäßig aufgefangen.

Werden nun durch Fehlhaltung und Überbelastung der Wirbelsäule die Bandscheiben über längere Zeit ungleichmäßig belastet, knallen die Strukturen aufeinander, wo sie abgefedert werden sollten -  die Dämpf-ungsfunktion ist nicht mehr gewährleistet.

Salopp gesagt sind Bandscheiben und Wirbel wie ein Hamburger-Brötchen organisiert. Oben und unten sind die knöchernen Wirbelflächen, also die Brötchenhälften, und in der Mitte die Bandscheibe, das gebratene Stück Fleisch. Die Bandscheibe ist beweglich. Nach außen ist sie durch die Bandscheibenabschlüsse gesichert. Im Hamburger-Beispiel wären das deine Finger und die Serviette. Wer so ein Sandwich schon mal gegessen hat, weiß, was passiert, wenn der Druck auf das Brötchen einseitig wird. Das Geklecker ist groß und schlimmstenfalls rutscht das Stück Fleisch hinten hinaus - wie beim Bandscheibenvorfall.


Übungen für gesunde Bandscheiben

In erster Linie gibt es sehr gute Dehnungsübungen für die Wirbelsäule, welche entweder vorbeugend oder auch nach einem Bandscheibenvorfall angewendet werden können. Ich möchte hier aber nicht einfach ein Video einstellen und dich den Übungen selbst überlassen. Es liegt mir sehr am Herzen, dass solche Dehnungen richtig gemacht werden, weil sie sonst kontraproduktiv sein können. Intensive Dehnungsübungen für den Nacken und die Lendenwirbelsäule baue ich immer wieder in meine Trainings ein und korrigiere dabei die Teilnehmenden persönlich. Melde dich bei mir, wenn du mehr über das Dehnen oder meine Kurse wissen möchtest (www.feel-the-balance.ch).

 

Die Kraft- und Mobilisationsübungen, welche du dir hier im praktischen PDF-Format herunterladen kannst, sind vor allem für die Wirbelsäulen-Aufrichtung und deine Bandscheiben gut. Sie helfen dir z.B. die verkürzte Nacken- oder Hüftmuskulatur wieder in die Länge zu trainieren. Mach die Übungen konsequent und regelmäßig über längere Zeit hinweg, damit du eine Verbesserung spürst und du dein Rückgrat wieder in seine sanft geschwungene S-Form aufrichten kannst. Von heute auf morgen hat es noch niemand geschafft, gib der Sache also Zeit. Viel Spass beim Trainieren!

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Mobilisation
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Kräftigung
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Lauf deine Bandscheiben geschmeidig

Von überall her hören wir, wie wichtig das Laufen für unsere Gesundheit ist. Es fördert die Durchblutung, regt den Herz-Kreislauf an, bewegt unsere Gelenke schonend und macht uns frei. Hast du gewusst, dass das Gehen auch für unsere Bandscheiben ganz wichtig ist? In diesem Zusammenhang spielen nämlich unsere schräg und quer verlaufenden Bauchmuskeln eine entscheidende Rolle. Da sie vom rechten Rippenbogen zum linken vorderen Beckenabschluss und umgekehrt, von links oben nach rechts unten verlaufen, ergibt die Überkreuzung eine X-Form, welche dreidimensionale, schraubende Bewegung zulässt. Sie ermöglichen, dass der Oberkörper auf die eine Seite drehen kann und der Unterkörper auf die andere. Diese Gegendrehung von Ober- und Unterkörper ist typisch menschlich, unterscheidet uns übrigens vom Affen, dem Passgänger, und erzeugt viel Drehung in der Wirbelsäule. Zudem bewegt sich das Becken beim Laufen und Gehen wechselseitig auf und ab - wie eine Beckenwaage: ein Hin und Her und Auf und Ab auf Schritt und Tritt. Für die Bandscheiben bedeutet dies Massageeinheiten bei jedem Schritt - und sie lieben es! Gönn auch du den fleißigen kleinen Kerlchen ruhig mal diese Wohltat und lauf deine Bandscheiben geschmeidig.

 

Es ist viel einfacher vorbeugend etwas für seinen Körper zu tun, als wenn die Probleme erst einmal da sind, Schmerzen chronisch werden, langweilige Therapien anstehen oder sogar operiert werden muss. Erstaunlich wenig Leute kümmern sich um ihre Körperhaltung, obwohl 80 % der Menschen tagtäglich Rückenschmerzen erleiden. Ich weiss, dass man sich im Alltag rasch vergisst und man gar nicht mehr spürt, wie verkrümmt man sitzt. Vielleicht achtest du dich aber zukünftig wieder vermehrt auf deine Körperhaltung und sorgst damit nicht nur für gesunde Bandscheiben sondern auch für gesunde Gelenke. Ich würde mich freuen darüber!

 

Herzlich, Priska